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Wende

Ein Tag ohne Sinn und Unsinn, nichts geschafft außer anderthalb Schachteln Zigaretten zu rauchen und nachzudenken. Über dich, über mich, über das Wochenende. Ich versuche dich schreibend zu vergessen. Es gelingt nicht. Ich kann meinen eigenen Worten nicht glauben. Die Mitbewohnerin kommt nach hause und kompensiert den Redebedarf. Eine verspätete Nachricht von dir, ein tröstendes Softeis und einen Schnaps später drängt sie mich, dich anzurufen. Du hast auch Redebedarf. Und der ist ähnlich ungeeignet für’s Telefon wie der meine. Wir sind uns einig: wir brauchen Zeit für uns, zusammen, auf neutralem Raum, ohne festgelegte Rollen, ohne zuviel Alkohol. Du bist sehr ernst und kein Sarkasmus vergiftet die Schmetterlinge in meinem Bauch. Du kommst zu mir, so bald wie möglich.

Zwischenspiel

Der Vorhang öffnet sich, ein Auftritt mit großer Wirkung, das Publikum war entsetzt und man flüsterte: Nicht die zwei schon wieder!

Ich hab die Warnungen vernommen, das Kopfschütteln gesehen, das Entsetzen verstanden, versucht mich zu beherrschen. Doch die Versuchung war zu groß. Da war diese verlockende Möglichkeit, dass sich wirklich was verändert hat. Die vage Chance, etwas zu finden, nach dem man nicht gesucht hat. Du warst mir nah, ganz anschmiegsam und verletzlich. Hast nicht gefordert, sondern nur gegeben. Hast ganz weich geschwiegen, obwohl dir Worte so wichtig sind. Da dachte ich, ich könnte dir wieder vertrauen. Dich verstehen. In dir sehen, was du vor anderen verbirgst. Dich wieder kennen und lieben lernen. Doch mit dir reden war vergeblich. Mich dir zu erklären unmöglich. Du hast mir die Worte aus dem Mund genommen, sie in deinem widerlichen Sarkasmus gewälzt und mir wieder vor die Füße gerotzt. Ganz verdreht und unglaubwürdig waren sie dann. Genau wie du. Denn deine Motive sind nicht ehrlich, dein Charme ist nur ein guter Witz. Du prahlst mit Nächstenliebe, doch dein Ego hinterlässt verbrannte Erde. Deine heißgeliebten Worte sind leer, nur selten folgen ihnen Handlungen. Verabschiedet habe ich mich gestern von einem Bekannten, nicht von einem Partner, wohl nicht einmal von einem Freund. Als Erklärung bietest du mir nur deine Unterlegenheit. Doch ich will dir nicht überlegen sein. Denn Liebe ist kein Wettbewerb. Mir musst du nichts mehr beweisen.

So schließt sich der Vorhang, die Schauspieler gehen ab. Es war nur ein Zwischenspiel. Das Publikum atmet auf.

Dude, where’s my tent?

Ist-Zustand vor dem Wochenende: Kein Zelt, kein Mann und erst recht keine Lust auf die stressige Autofahrt mit meiner Mutter und die alljährliche Auseinandersetzung über den Sinn des Pfingstzeltens und die Ausmaße meines alkoholischen Gepäcks.

Ist-Zustand nach dem Wochenende: Zelt noch immer verschwunden, dafür ein Schlafplatz im Zelt meines zweimaligen Exfreundes, der innerhalb von 24 Stunden zwei Fahrräder und den Gepäcktransport für’s Wochenende organisierte.

Scheiße, das sind echt zuviele Kilometer, thüringische Höhenmeter und emotionale Abstürze die mir da bevorstehen! Also, wie bitte konnte es dazu kommen? Eine Teilschuld haben vermutlich die sieben großen Becks von Samstag Nacht und der stundenlange Monolog des benannten Exfreundes, in dem er sich ausgiebig für die Vorkommnisse der letzten, öhm, 8 Jahre entschuldigte. Einen Moment lang habe ich wirklich geglaubt, von dem aufmerksamkeitsdefizitären Kleinkind von früher sei nix mehr übrig geblieben. Zugegeben, nüchtern gesehen ein echter Trugschluss. Aber so ist das eben mit der Jugendliebe, man neigt dazu, sie zu verherrlichen. Ich werde die Herausforderung trotzdem annehmen, die sportliche als auch die emotionale. Soll er sich doch ruhig mal ordentlich ins Zeug legen. Ich hoffe derweil, dass es da neben Muskelkater und aufgeschlagenen Knien nichts mehr gibt, das mir gefährlich werden könnte.

Gestalkt

Gestern Nacht um drei im Staubi. Dialog mit S.

“Ich geh jetzt nach hause.” “Was machst’n da?” “Öhm schlafen?!” “Allein?” “Ja, mir wird wohl nichts anderes übrig bleiben.” “Quatsch, du könntest heute mindestens zehn Typen haben.” “Wie kommst’n da drauf?” “Na ich habe mal angefangen zu zählen, wieviele dich so beobachten, wenn wir unterwegs sind.”

Soll ich mich jetzt geschmeichelt oder verfolgt fühlen?

Legasthenisch

“Nun ein paar aktuelle Entsicklungen und Trende…”

Eine Woche Diplomarbeit. Bleiben noch elf.

PUNK

Samstag Abend, Gieszer16, ich höre, dass du jetzt in Leipzig bist. Ich suche und finde dich im Atelier. Du bist punk wie eh und je. Wir kennen uns wohl schon an die 20 Jahre. Damals paddelten wir noch zusammen auf der Luftmatraze durch den Stausee. Da war noch alles egal. Die Frisur, die Klamotten. In der Schule dann du schon immer anti, ich eher konform. Wir fallen uns in die Arme und stellen kurz darauf fest, dass wir uns nichts zu sagen haben. Du drehst dir eine Kippe von meinem Tabak und ich finde das fast schöner als reden. Du fragst noch “Na und du? Studierst jetzt BWL oder sowas hm?” und wir leben für einen Augenblick unsere Vorurteile. Ich hoffe, dass wir’s beide irgendwie besser wissen. Ich trete die Kippe aus und verabschiede mich. Ich gehe wieder hinunter in den warmen Innenhof, der immer noch gefüllt ist vom Gebrabbel der wirren Vielfalt und dem Duft von frühlingsgrünen Bäumen, Sommer und Gras. Das Lagerfeuer knackt, die Diskokugel wirft verantwortungsbewusst das Licht zurück an die Wand. Wilde Fetzen HipHop, Goa und Hardcore bröseln aus den Löchern des besetzten Backsteins. Wenn ich nach oben schaue, seh ich den sternenklaren Himmel. Ich fühl mich wohl hier, zumindest heute nacht.

Stubenhocker

“Passt schon, ich kann ja nicht die ganze Zeit zuhause rumsitzen und mich selbst bemitleiden.”

So reagieren meine Freunde also auf das jüngst gestartete Ablenkungsprogram. Denn es ist Zeit. Zeit eine Diplomarbeit zu schreiben.

Ich suche unterdessen das Weite. Beliebte Ziele: Bars, Cafés, Kneipen, Clubs. Und mir kann kein Stubenhocker widerstehen :-)

A place to be…

Sie meint, ich würde nie richtig was sehen von Berlin. Warum? Ich hatte alles, was ich brauchte. Ausreichend Kaffee in allen Variationen, Alkohol in allen Variationen, Essen in allen Variationen, gute Freunde und neue Bekannte, ein bisschen Multikulti und elektronische Musik, Party bis zum Sonnenaufgang, lange Gespräche, Shopping, Chillen und Ausschlafen, sehen und gesehen werden und lachen, ganz viel lachen. Meine Energietankstelle… Danke loca ;-)

Vereindruckt?

SMS vom Samstag Abend:

“Vale chica (…) cuidate y no me besas con los chicos siempre :-)”

Gesundheit!

Heißer Tee, viel Schlaf, Erkältungsbäder und Aspirin - alles für ein Partywochenende mit ihr