ALLES

•23 März 2009 • Hinterlasse einen Kommentar

Ich hab´ lang´ genug gewartet, dass `n wunder geschieht
und endlich einer daherkommt der mich dafür liebt
was ich bin und mir schliesslich das gibt
was mir zusteht und nich´ erst das was ich zu geben hab´ wiegt
ich weiss es liegt nicht an uns und auch nich´ an dir
es liegt nich´ an den anderen aber auch nich´ an mir
es liegt an den umständen die hier
längst galten und der standard waren als wir
schier blind vor gier und hunger nach diesem leben
alles genommen haben was es zu geben
hatte und eben dieses naive streben
nach allem ist der grund der klage und weswegen
wir in jedem falle schuldig sind obwohl wir kinder
sind tragen wir schuld die nichts und niemand mindert
verdammt zu schmerzen die nichts und niemand lindert
ham wir`s nich´ so gemacht aber auch nich´ verhindert

wenn du glaubst, dass das alles war
bist du im glauben gebrochen und dem abgrund so nah,
dass dir entfallen is´, dass der zwischen uns getriebene keil
eine lüge ist eine falle weil jedes verdammte detail

alles das all is´ glaub nur nich´, dass das alles war
alles das all is´ glaub nur nich´, dass das alles war
alles das all is´ glaub nur nich´, dass das alles war
und selbst das `n teil vom all is´
glaub nur nich´, dass das alles war

wir können versuchen zu ergründen wo dinge münden und wo wir stünden
wenn es nich´ so wär´, dass unsere sünden ihre rückkehr verkünden
von unseren pfründen is´ nich´ viel übrig
es war gemütlich aber das genügt nich´
ich hüt´ mich`s zu sagen aber seit tagen brüt´ ich
über der frage ob es `ne einigung gibt, die wirklich gütlich
is´ und ob die üblich is´ und warum nich´
wie weit ich auch geh´ oder renn´ ich weiss ich komm´ nich´
ans ziel unserer träume der kampf is´ vorbei
die last ist wie blei aber auch der brei is´ jetzt einerlei
denn ich verzeih´ dir nicht du mir nich´ und sie uns
sowieso nich´ verloren die gunst und keine kunst
irgendeiner zunft rettet uns aus diesem sumpf
verrottet der rumpf und die sinne sind stumpf
kein trumpf der uns jetzt noch vorm niedergang stoppt
wir sind bankrott und ham uns selbst in die falle gelockt

(Sabrina Setlur “Alles”)

Draußen regnet es und stürmt.

Mit euch ist am Wochenende so viel mehr ausgezogen, als nur ein paar Regale und Kisten. Das Gefühl, den Schlüssel im Schloss zu drehen, ist nicht mehr das Gleiche. Früher spürte ich Vorfreude auf eine warme Umarmung oder auch nur einen guten Witz. Heute spüre ich nur eine dumpfe Sehnsucht. Ich wende die Augen ab. Von euren beiden leeren Zimmern und dem Flur, in dem meine eigenen Schritte von den Wänden widerhallen. Ich vermisse euch.

Doch das ist pathetisch. Eigentlich sollte ich es besser wissen. Wissen, wie es sich anfühlt, wenn einem Menschen wirklich genommen werden. Wenn Menschen aus diesem Dasein gerissen werden. Wenn sich Menschen das Leben nehmen, ohne dass einem jemand erklären kann, warum. Wenn Menschen sterben. Wenn Menschen verzweifeln. An einem Wahnsinn verzweifeln, den nur ein Zustand hervorrufen kann.

Lieben ohne geliebt zu werden.

Ich will meine Situation nicht mit deiner vergleichen. Meine Traurigkeit und Einsamkeit nicht an deine Stelle setzen. Deinem Schmerz sind selbst meine Worte nicht gewachsen. Denn dich bringt nichts zurück. Was du hinterlässt sind die stillen Tränen deiner Angehörigen und Freunde. Unfassbarkeit, Unverständnis, Verzweiflung, Wut, Fragen, auf die es keine Antworten gibt. Ich stehe nur in der zweiten Reihe. Ich sehe meine Mutter leiden. Meine Mutter, die deine beste Freundin war. Seit 25 Jahren habt ihr euch gekannt. Ich kann es nicht ertragen, diesen dumpfen Schmerz und die Angst, dass sie nicht verkraften wird, was passiert ist. Weil keiner unsere Fragen beantworten kann. Nur du könntest das. Keiner kann uns sagen, wie deine letzten Stunden waren. Was du gefühlt und gedacht hast. Ob du wirklich sterben wolltest. Was ich weiß ist, dass du nicht zurückkommen wirst. Was ich kenne, ist das Schweigen am anderen Ende des Telefons. Das Gefühl, wenn meine Mutter auflegt, weil sie nicht länger stark sein kann. Weil sie den Tränen nichts mehr entgegensetzen kann. Sie sagt, sie hört dein Lachen. Dein Lachen, das auch ich kannte, seit ich Kind war. Du hast immer gelacht, du warst immer stark. Du hast nicht aufgegeben. Und doch bist du tot. Tot. Das geht mir nicht in meinen Kopf. Mein Schmerz ist nicht mit dem der Menschen zu vergleichen, die du zurücklässt. Deine Kinder und Eltern, deine Freunde, dein Enkelkind, das noch nicht begreifen kann, was ihm genommen wurde. Doch vielleicht ist die Sehnsucht vergleichbar, die wir spür(t)en. Die wohl alle spüren. Die Sehnsucht danach, geliebt zu werden. Mit einem Menschen bis ans Ende zu gehen. Oder auch nur die Sehnsucht nach einer Umarmung, nach jemandem, der einem die Tränen wegküsst. Der sich interessiert und kümmert, auch wenn über ihm selbst die Welt zusammenbricht. Jemand, mit dem man alles teilen kann.

Gestern Abend, als ich ihn gesehen habe, so glücklich auf seiner Bühne, sich selbst genug, in dem Glauben, ohne mich zu sein, als er mich im Publikum entdeckte und seinen Blick von mir abwendete, da wusste ich, dass er meinen Schmerz nicht teilen möchte. Dass ich nicht die bin, mit der er irgendetwas teilen möchte. Dass er mir nicht geben kann, was ich suche.

Ich habe lange mit mir gehadert, diesen Blog zu schließen. Ich dachte, es kann doch noch so viel mehr kommen, über das es sich lohnt, zu schreiben. Für mich. Dieses Wochenende hat bewiesen, dass dem nicht so ist. Es hat gezeigt, dass das Leben mit all seinen Facetten an zwei Tagen passieren kann. Liebe. Freundschaft. Sehnsucht. Leidenschaft. Tränen. Lachen. Tod. Alles kann passieren.

Deswegen versucht zu lieben. Versucht zu vertrauen. Versucht zu vermissen. Versucht zu weinen. Versucht zu lachen.

Versucht, Verluste zu überwinden.

Versucht zu leben. So lange wie möglich.

Und vor allem: schreibt darüber…

I’m done here.

Let’s dance in style
let’s dance for a while
heaven can wait
we’re only watching the skies
hoping for the best
but expecting the worst
are you gonna drop the bomb or not

Let us die young
or let us live forever
we don’t have the power
but we never say never
sitting in a sandpit
life is a short trip
the music’s for the sad man

Can you imagine when this race is won
turn our golden faces into the sun
praising our leaders we’re getting in tune
the music’s played by the … the mad men

Forever young, I want to be forever young
do you really want to live forever
forever and ever
forever young, I want to be forever young
do you really want to live forever
forever young

Some are like water
some are like the heat
some are a melody
and some are the beat
sooner or later
they all will be gone
why don’t they stay young

It’s so hard to get on without a cause
I don’t want to perish like a fading horse
youth’s like diamonds in the sun
and diamonds are forever

So many adventures couldn’t happen today
so many sounds we’ve forgot to play
so many dreams swinging out of the blue
we’ll let them come true

(Alphaville “Forever young”)

In Gedenken an M.


•19 März 2009 • 1 Kommentar

Die alte Umgebung ist noch da. Das Zwischenspiel vom Wochenende hat einen faden Nachgeschmack und viel Einsamkeit hinterlassen. Trotzdem ist es Zeit, sich zu verabschieden. Von zwei geliebten Mitbewohnern, die sich dem Nestbau widmen und einer Liebe, die groß hätte werden können. Aber ich fühle mich betrogen und belogen, um zu viele Hoffnungen, die er mir gemacht hat. Nun ist alles nur noch kaputt, es tut weh, ich will nicht mehr drüber reden, nicht mehr drüber nachdenken. Aber ich möchte auch nicht die sein, die aufgegeben oder sich zuerst bewusst abgewendet hat. Deswegen fahre ich am Samstag zur Record Release, um mich zu verabschieden. Zumindest innerlich. Dafür ist der Platz im Publikum vielleicht ganz gut geeignet…

Weltenspringer

•18 März 2009 • Hinterlasse einen Kommentar

Den Künstler, der neben Proben, Konzerten und Radio Interviews in den vergangenen vier Tagen in Berlin keine Minute Zeit für mich fand, tauschte ich kurzzeitig gegen den unverschämt gut aussehenden Harvard Studenten in spe. Der Mensch passt sich immer seiner Umgebung an ;-)

•3 März 2009 • Hinterlasse einen Kommentar

“When routine bites hard
And ambitions are low
And resentment rides high
But emotions won’t grow
And we’re changing our ways, taking different roads”

JoyDivision “Love Will Tear Us Apart”

Reaktion

•19 Februar 2009 • Hinterlasse einen Kommentar

“Du bist noch so jung, Darling. Da können noch genügend Mo-Fr Jobs kommen, jetzt genieß erstmal die bestande Unizeit und lass es dir gut gehen. Im besten Fall mit Lover. toitoitoi.”

Äquivalenzen

•13 Februar 2009 • 1 Kommentar

Ich glaube, ich habe das deutsche Äquivalent ihres ex-señoritos an meiner Seite. Obwohl “an meiner Seite” eigentlich schon zu viel gesagt ist. Ich frage mich ernsthaft, liebe Chica, wie du das so lange ausgehalten hast. Mich treibt dieser Kerl alle fünf Minuten in den Wahnsinn!

•10 Februar 2009 • Hinterlasse einen Kommentar

Bekomme einen Liebesglückskeks geschenkt mit der sinnreichen Nachricht: “Liebe ist das Größte.”

Ach ja?!

Auf der Rückseite gab’s noch Glückszahlen. Vielleicht für die, bei denen das mit der Liebe nicht klappt.

Vielleicht sollte ich auch besser Lotto spielen. Die Gewinnchancen sind wahrscheinlich ähnlich beschissen…

Morla

•9 Februar 2009 • Hinterlasse einen Kommentar

Meine Mitbewohnerin gestern:

“Ich weiß jetzt, warum immer alle Angst vor mir haben – sie sehen ihr schlechtes Gewissen in mir.” “Und nein wirklich überrascht hat mich das nicht mit dir und deinem Künstler.”

Diese Frau steht wirklich über den Dingen. So langsam glaube ich ja, ich lebe mit der uralten Morla zusammen.

Auf Kinder reagiert sie im Übrigen auch recht allergisch…

Fazit

•9 Februar 2009 • 2 Kommentare

Ich bin verliebt. Immer noch. Noch immer. So einfach ist das. Oder eben auch nicht.

Häh?

•5 Februar 2009 • Hinterlasse einen Kommentar

Der Künstler, mit dem ich mittlerweile kaum noch Kontakt habe, denkt an meine morgige Abschlussprüfung und wünscht mir viel Erfolg…

Mein Vater, mit dem ich mindestens einmal in der Woche telefoniere, hat das nicht geschafft…