PUNK
Samstag Abend, Gieszer16, ich höre, dass du jetzt in Leipzig bist. Ich suche und finde dich im Atelier. Du bist punk wie eh und je. Wir kennen uns wohl schon an die 20 Jahre. Damals paddelten wir noch zusammen auf der Luftmatraze durch den Stausee. Da war noch alles egal. Die Frisur, die Klamotten. In der Schule dann du schon immer anti, ich eher konform. Wir fallen uns in die Arme und stellen kurz darauf fest, dass wir uns nichts zu sagen haben. Du drehst dir eine Kippe von meinem Tabak und ich finde das fast schöner als reden. Du fragst noch “Na und du? Studierst jetzt BWL oder sowas hm?” und wir leben für einen Augenblick unsere Vorurteile. Ich hoffe, dass wir’s beide irgendwie besser wissen. Ich trete die Kippe aus und verabschiede mich. Ich gehe wieder hinunter in den warmen Innenhof, der immer noch gefüllt ist vom Gebrabbel der wirren Vielfalt und dem Duft von frühlingsgrünen Bäumen, Sommer und Gras. Das Lagerfeuer knackt, die Diskokugel wirft verantwortungsbewusst das Licht zurück an die Wand. Wilde Fetzen HipHop, Goa und Hardcore bröseln aus den Löchern des besetzten Backsteins. Wenn ich nach oben schaue, seh ich den sternenklaren Himmel. Ich fühl mich wohl hier, zumindest heute nacht.

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