Zwischenspiel

Der Vorhang öffnet sich, ein Auftritt mit großer Wirkung, das Publikum war entsetzt und man flüsterte: Nicht die zwei schon wieder!

Ich hab die Warnungen vernommen, das Kopfschütteln gesehen, das Entsetzen verstanden, versucht mich zu beherrschen. Doch die Versuchung war zu groß. Da war diese verlockende Möglichkeit, dass sich wirklich was verändert hat. Die vage Chance, etwas zu finden, nach dem man nicht gesucht hat. Du warst mir nah, ganz anschmiegsam und verletzlich. Hast nicht gefordert, sondern nur gegeben. Hast ganz weich geschwiegen, obwohl dir Worte so wichtig sind. Da dachte ich, ich könnte dir wieder vertrauen. Dich verstehen. In dir sehen, was du vor anderen verbirgst. Dich wieder kennen und lieben lernen. Doch mit dir reden war vergeblich. Mich dir zu erklären unmöglich. Du hast mir die Worte aus dem Mund genommen, sie in deinem widerlichen Sarkasmus gewälzt und mir wieder vor die Füße gerotzt. Ganz verdreht und unglaubwürdig waren sie dann. Genau wie du. Denn deine Motive sind nicht ehrlich, dein Charme ist nur ein guter Witz. Du prahlst mit Nächstenliebe, doch dein Ego hinterlässt verbrannte Erde. Deine heißgeliebten Worte sind leer, nur selten folgen ihnen Handlungen. Verabschiedet habe ich mich gestern von einem Bekannten, nicht von einem Partner, wohl nicht einmal von einem Freund. Als Erklärung bietest du mir nur deine Unterlegenheit. Doch ich will dir nicht überlegen sein. Denn Liebe ist kein Wettbewerb. Mir musst du nichts mehr beweisen.

So schließt sich der Vorhang, die Schauspieler gehen ab. Es war nur ein Zwischenspiel. Das Publikum atmet auf.

~ von leanka am 13 Mai 2008.

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